Methodik und Entwicklungsprozess
Das KuR-MDS entstand in einem iterativen, community-getriebenen Prozess — empirisch fundiert, normativ verankert und konsequent auf Interoperabilität ausgerichtet.
Grundlagen und Bezugssysteme
Das Metadatenschema basiert auf einer systematischen Analyse und Synthese bestehender Dokumentationspraktiken, etablierter Normen sowie den Erkenntnissen einer vorgeschalteten Online-Umfrage unter Fachpersonen aus unterschiedlichen institutionellen und disziplinären Kontexten der Konservierung-Restaurierung.
Umfrageergebnisse als empirische Grundlage
Die hohe Übereinstimmung der Teilnehmenden bei zentralen Dokumentationsinhalten bildete den Ausgangspunkt für die Pflichtfelder des Schemas, während die Unterschiede die Notwendigkeit flexibler optionaler Erweiterungen verdeutlichten.
Als weitere empirische Grundlage dienten die Dokumentationssysteme der in der TWG vertretenen Einrichtungen sowie publizierte Vorgaben unterschiedlicher Landesdenkmalämter. Der Vergleich dieser Systeme bestätigte den Ansatz, gemeinsame Kernelemente als Pflichtfelder zu definieren und spezifische Schwerpunkte über optionale Felder zu ermöglichen.
Normative Bezugssysteme
Das Schema entstand im Rahmen von NFDI4Objects mit dem übergeordneten Ziel, Forschungsdaten zu materiellen Kulturerbeobjekten auffindbar, zugänglich und nachnutzbar zu machen. Die Anschlussfähigkeit an LIDO und CIDOC CRM war daher von Beginn an ein zentrales Entwicklungsziel.
Auch die in der NFDI disziplinübergreifende als Standard festgelegten Metadatenschemata wie DataCite oder schema.org wurden von Beginn an miteinbezogen.
Entwicklungsprozess
Der iterative, kollaborative Prozess zur Entwicklung des KuR-MDS in der Temporary Working Group (TWG) erfolgte von Dezember 2024 bis Januar 2026 im kontinuierlichen Austausch mit der Fachcommunity. Die Entwicklung wurde bewusst zweistufig angelegt:
Chronologie
Zusammentragen der Ausgangselemente in einem gemeinsamen Arbeitsdokument auf Basis der Umfrageergebnisse und des Normenvergleichs. Systematische Kategorisierung in thematische Sektionen.
Die erste Präsentation im CC Conservation Science brachte zwei wesentliche Erkenntnisse: das Google-Sheet-Arbeitsdokument war für die Community schwer zugänglich, und die inhaltliche Diskussion führte zu zentralen konzeptionellen Weichenstellungen, u. a. zur ereignisbasierten Modellierung der Zustandserfassung sowie zur Ergänzung von "Gefährdungsbewertung" und "Monitoring".
Als direkte Reaktion auf das Community-Feedback entstanden die Conservation Metadata Terminology (SKOS-Vokabular mit URIs) und die Conservation Documentation Mockup-Page als interaktive Eingabeoberfläche.
Weitere Vorstellungen des bisherigen Entwurfs auf verschiedenen Veranstaltungen, darunter unter anderem dem NFDI4Objects Community Meeting 2025, der Herbsttagung der FG Dokumentation des Deutschen Museumsbundes, dem SODa-Forum 2025, dem SODa BarCamp 2026 und der HMC Conference 2026. Sowie bilaterale Gespräche und direktes Feedback per Mail. Fortlaufende Arbeitstreffen der TWG zur Weiterentwicklung und Einarbeitung des Feedbacks
Finalisierung der Version 1.0 des inhaltlichen Dokumentationsstandards als community-getragenes Ergebnis. Beginn des Schreibprozesses, um den bisherigen Prozess und die Ergebnisse als NFDI4Objects Common (schriftliche Dokumentation) zu publizieren
Veröffentlichung der umfassenden Dokumentation im NFDI4Objects Community Hub und Start der vierwöchigen Kommentierungsphase als "offenes Community-Review". Parallel Vorstellung des Schemas auf weiteren Veranstaltungen.
Einarbeitung der eingegangen Kommentare und Rückmeldung in bisherigen Entwurf der Dokumentation. Einreichung der finalen Version in Stufe 2 des NFDI4Objects Commons-Prozess als "Konsolidierter Beitrag zur Empfehlung".
Nach erfolgreicher Bewertung im NFDI4Objects Commons Prozess übergang in Status als offizieller Standard. Publikation der finalen Version auf Zenodo. Grundlage für die folgende Entwicklung eines interoperablen Austauschformats.
Tba
Konzeptionelle Meilensteine
Ereignisbasierte Modellierung
Ein wesentlicher Meilenstein war die Entscheidung, die ereignisbasierte Modellierung von LIDO und CIDOC CRM bereits in der inhaltlichen Strukturierungsphase zu übernehmen. Informationen werden nicht als statische Objekteigenschaften erfasst, sondern als Ereignisse mit Zeitpunkt, Akteur und Ort, etwa eine Ausgrabung, eine Untersuchung oder eine Erhaltungsmaßnahme.
Dieser Ansatz ist für die Konservierung-Restaurierung besonders geeignet, da Restaurator:innen biespielsweise Objektzustände nicht nur vor einer Restaurierung, sondern auch währenddessen, danach oder im Rahmen von Monitoring-Aktivitäten dokumentieren. Die TWG entschied sich daher für ein einheitliches Grundschema für die Zustandserfassung, das den Zeitpunkt und den Hintergrund der Erfassung jeweils explizit ausweist und damit separate Schemata für jeden Erfassungszeitpunkt überflüssig macht.
Vermittlungswerkzeuge
Conservation Metadata Terminology
SKOS-basiertes Vokabular mit eindeutigen URI-Identifikatoren je Element. Nutzende können Datenbankfelder intern beliebig benennen, solange sie eine URI-Referenz hinterlegen — Interoperabilität bleibt beim Export erhalten. Zur Terminology →
Conservation Documentation Mockup-Page
Simulierte Eingabeoberfläche mit beispielhaften Datenwerten. Elementbezeichnungen verlinken direkt auf die Conservation Metadata Terminology. Diente als Diskussionsgrundlage in der TWG und als Vermittlungsinstrument in die Community. Zur MockupPage →
Inhaltliche Abgrenzung
Das KuR-MDS konzentriert sich auf die Dokumentation von Prozessen im Umfeld konservatorisch-restauratorischer Maßnahmen, einschließlich solcher, die über reine Objekteingriffe hinausgehen, in der Praxis jedoch häufig von Restaurator:innen durchgeführt werden (z. B. Untersuchungen).
- Konservatorisch-restauratorische Prozesse und Maßnahmen
- Zustandserfassung zu verschiedenen Zeitpunkten
- Untersuchungen und Analysen
- Monitoring und Gefährdungsbewertung
- Relevante Objektdaten als Sekundärinformation
- Museale Verwaltungsdaten (Erwerbsgeschichte, Versicherung, Ausstellungslogistik)
- Archäologische oder kunsthistorische Primärdaten
- Daten, für die bereits eigenständige Standards existieren (MDS, ADeX, SPECTRUM)
Bestimmte Objektdaten, z.B. zur Objektansprache, Herkunft oder Datierung werden von Restaurator:innen als essenziell für eine qualitätvolle Dokumentation wahrgenommen, stammen jedoch aus anderen Fachdisziplinen. Das KuR-MDS benennt daher, welche dieser Sekundärdaten relevant sind und mit welcher Priorität sie erfasst werden sollten.