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Methodik und Entwicklungsprozess

hinweis

Das KuR-MDS entstand in einem iterativen, community-getriebenen Prozess — empirisch fundiert, normativ verankert und konsequent auf Interoperabilität ausgerichtet.


Grundlagen und Bezugssysteme​

Das Metadatenschema basiert auf einer systematischen Analyse und Synthese bestehender Dokumentationspraktiken, etablierter Normen sowie den Erkenntnissen einer vorgeschalteten Online-Umfrage unter Fachpersonen aus unterschiedlichen institutionellen und disziplinären Kontexten der Konservierung-Restaurierung.

Umfrageergebnisse als empirische Grundlage​

Die hohe Übereinstimmung der Teilnehmenden bei zentralen Dokumentationsinhalten bildete den Ausgangspunkt für die Pflichtfelder des Schemas, während die Unterschiede die Notwendigkeit flexibler optionaler Erweiterungen verdeutlichten.

95,6 %Beschreibung durchgeführter Methoden
92,9 %Erfassung von Schadensphänomenen
92,4 %Verwendete Materialien

Als weitere empirische Grundlage dienten die Dokumentationssysteme der in der TWG vertretenen Einrichtungen sowie publizierte Vorgaben unterschiedlicher Landesdenkmalämter. Der Vergleich dieser Systeme bestätigte den Ansatz, gemeinsame Kernelemente als Pflichtfelder zu definieren und spezifische Schwerpunkte über optionale Felder zu ermöglichen.


Normative Bezugssysteme​

DIN EN 16095Terminologische Grundlage für zentrale Begriffe wie ‘Kennzeichnungsnummer’, ‘Umgebungsbedingungen’ und ‘Behandlung/Eingriff’
ISO 8601Empfohlener Standard für alle zeitbezogenen Angaben im Format YYYY-MM-DD
MDS v1.1Minimaldatensatz-Empfehlung der AG Minimaldatensatz (Deutscher Museumsbund) als Referenz für Objektinformationen
LIDO und CIDOC CRMMaßgebliche Datenstandards des Kulturerbebereichs für die langfristige Anschlussfähigkeit und Interoperabilität
DataCite MetadataschemaÜbergeordneter NFDI-Metadatenstandard für die einheitliche Beschreibung von Forschungsdaten

Das Schema entstand im Rahmen von NFDI4Objects mit dem übergeordneten Ziel, Forschungsdaten zu materiellen Kulturerbeobjekten auffindbar, zugänglich und nachnutzbar zu machen. Die Anschlussfähigkeit an LIDO und CIDOC CRM war daher von Beginn an ein zentrales Entwicklungsziel.

Auch die in der NFDI disziplinübergreifende als Standard festgelegten Metadatenschemata wie DataCite oder schema.org wurden von Beginn an miteinbezogen.


Entwicklungsprozess​

Der iterative, kollaborative Prozess zur Entwicklung des KuR-MDS in der Temporary Working Group (TWG) erfolgte von Dezember 2024 bis Januar 2026 im kontinuierlichen Austausch mit der Fachcommunity. Die Entwicklung wurde bewusst zweistufig angelegt:

Phase 1 — abgeschlossen
Inhaltlicher Dokumentationsstandard
Definition der Metadatenelemente, Sektionen und Verpflichtungsgrade — unabhängig von der technischen Umsetzung
→
Phase 2 — geplant
Interoperables Austauschformat
Erarbeitung eines community-getragenen Austauschformats, z. B. eines LIDO-Anwendungsprofils

Chronologie​

Dezember 2024
Gründung der Temporary Working Group

Zusammentragen der Ausgangselemente in einem gemeinsamen Arbeitsdokument auf Basis der Umfrageergebnisse und des Normenvergleichs. Systematische Kategorisierung in thematische Sektionen.

Mai 2025
Erste Vorstellung im NFDI4Objects Community Cluster

Die erste Präsentation im CC Conservation Science brachte zwei wesentliche Erkenntnisse: das Google-Sheet-Arbeitsdokument war für die Community schwer zugänglich, und die inhaltliche Diskussion führte zu zentralen konzeptionellen Weichenstellungen, u. a. zur ereignisbasierten Modellierung der Zustandserfassung sowie zur Ergänzung von "Gefährdungsbewertung" und "Monitoring".

Juni 2025
Entwicklung der Vermittlungswerkzeuge

Als direkte Reaktion auf das Community-Feedback entstanden die Conservation Metadata Terminology (SKOS-Vokabular mit URIs) und die Conservation Documentation Mockup-Page als interaktive Eingabeoberfläche.

2025–2026
Fortlaufende Community-Einbindung und Weiterentwicklung

Weitere Vorstellungen des bisherigen Entwurfs auf verschiedenen Veranstaltungen, darunter unter anderem dem NFDI4Objects Community Meeting 2025, der Herbsttagung der FG Dokumentation des Deutschen Museumsbundes, dem SODa-Forum 2025, dem SODa BarCamp 2026 und der HMC Conference 2026. Sowie bilaterale Gespräche und direktes Feedback per Mail. Fortlaufende Arbeitstreffen der TWG zur Weiterentwicklung und Einarbeitung des Feedbacks

Februar 2026
Abschluss Phase 1 & Start Schreibprozess der Dokumentation

Finalisierung der Version 1.0 des inhaltlichen Dokumentationsstandards als community-getragenes Ergebnis. Beginn des Schreibprozesses, um den bisherigen Prozess und die Ergebnisse als NFDI4Objects Common (schriftliche Dokumentation) zu publizieren

September 2026
Publikation der Dokumentation in Kommentierungsphase

Veröffentlichung der umfassenden Dokumentation im NFDI4Objects Community Hub und Start der vierwöchigen Kommentierungsphase als "offenes Community-Review". Parallel Vorstellung des Schemas auf weiteren Veranstaltungen.

Oktober 2026
Ende der Kommentierungsphase und Überarbeitung als "Final Draft"

Einarbeitung der eingegangen Kommentare und Rückmeldung in bisherigen Entwurf der Dokumentation. Einreichung der finalen Version in Stufe 2 des NFDI4Objects Commons-Prozess als "Konsolidierter Beitrag zur Empfehlung".

Ende 2026
Beschluss des Metadatenschemas als offizieller NFDI4Objects Standard

Nach erfolgreicher Bewertung im NFDI4Objects Commons Prozess übergang in Status als offizieller Standard. Publikation der finalen Version auf Zenodo. Grundlage für die folgende Entwicklung eines interoperablen Austauschformats.

Januar 2027
Start Phase 2 - Weiterentwicklung zum Austauschformat

Tba


Konzeptionelle Meilensteine​

Ereignisbasierte Modellierung​

hinweis

Ein wesentlicher Meilenstein war die Entscheidung, die ereignisbasierte Modellierung von LIDO und CIDOC CRM bereits in der inhaltlichen Strukturierungsphase zu übernehmen. Informationen werden nicht als statische Objekteigenschaften erfasst, sondern als Ereignisse mit Zeitpunkt, Akteur und Ort, etwa eine Ausgrabung, eine Untersuchung oder eine Erhaltungsmaßnahme.

Dieser Ansatz ist für die Konservierung-Restaurierung besonders geeignet, da Restaurator:innen biespielsweise Objektzustände nicht nur vor einer Restaurierung, sondern auch währenddessen, danach oder im Rahmen von Monitoring-Aktivitäten dokumentieren. Die TWG entschied sich daher für ein einheitliches Grundschema für die Zustandserfassung, das den Zeitpunkt und den Hintergrund der Erfassung jeweils explizit ausweist und damit separate Schemata für jeden Erfassungszeitpunkt überflüssig macht.

Vermittlungswerkzeuge​

🗂️

Conservation Metadata Terminology

SKOS-basiertes Vokabular mit eindeutigen URI-Identifikatoren je Element. Nutzende können Datenbankfelder intern beliebig benennen, solange sie eine URI-Referenz hinterlegen — Interoperabilität bleibt beim Export erhalten. Zur Terminology →

🖥️

Conservation Documentation Mockup-Page

Simulierte Eingabeoberfläche mit beispielhaften Datenwerten. Elementbezeichnungen verlinken direkt auf die Conservation Metadata Terminology. Diente als Diskussionsgrundlage in der TWG und als Vermittlungsinstrument in die Community. Zur MockupPage →


Inhaltliche Abgrenzung​

Das KuR-MDS konzentriert sich auf die Dokumentation von Prozessen im Umfeld konservatorisch-restauratorischer Maßnahmen, einschließlich solcher, die über reine Objekteingriffe hinausgehen, in der Praxis jedoch häufig von Restaurator:innen durchgeführt werden (z. B. Untersuchungen).

Im Fokus
  • Konservatorisch-restauratorische Prozesse und Maßnahmen
  • Zustandserfassung zu verschiedenen Zeitpunkten
  • Untersuchungen und Analysen
  • Monitoring und Gefährdungsbewertung
  • Relevante Objektdaten als Sekundärinformation
Bewusst ausgeklammert
  • Museale Verwaltungsdaten (Erwerbsgeschichte, Versicherung, Ausstellungslogistik)
  • Archäologische oder kunsthistorische Primärdaten
  • Daten, für die bereits eigenständige Standards existieren (MDS, ADeX, SPECTRUM)

Bestimmte Objektdaten, z.B. zur Objektansprache, Herkunft oder Datierung werden von Restaurator:innen als essenziell für eine qualitätvolle Dokumentation wahrgenommen, stammen jedoch aus anderen Fachdisziplinen. Das KuR-MDS benennt daher, welche dieser Sekundärdaten relevant sind und mit welcher Priorität sie erfasst werden sollten.